[Profil]

 

Halle/Saale, innerstädtischer Wohnungsbau Brunos Warte, Eckbebauung An der Moritzkirche/Moritzzwinger, von Südwesten; 1984-86 von Wulf Brandstädter, Sigrid Schaller, Klaus-Dieter Weiser, Uwe Graul, Helmut Richter u. div. Innenarchitekten, Keramikfiguren „Begrüßung“ von Lothar Sell

Mein Forschungsgebiet ist die deutsche Architektur und der deutsche Städtebau des 20. Jahrhunderts. 1964 geboren, arbeite ich seit 1986 in Berlin, seit 1996 als promovierter Architekturhistoriker. In den zwanzig Jahren meiner Berufstätigkeit konnte ich eine größere Zahl von Untersuchungen speziell zur NS-Architektur und zur Architektur der DDR vorlegen.

Alle Forschungsarbeiten sind von dem Bestreben bestimmt, die Charakteristika einer Gesellschaft und des entsprechenden Menschenbildes aus ihren baulichen Zeugnissen heraus zu ergründen. In jedem politischen Zeitraum werden ihm adäquate Bau- und Raumformen entwickelt. Sie treten stets an den wichtigsten Bauaufgaben hervor, bringen hier das jeweilige Ideal in der Beziehung von Einzelmensch und Gesellschaft am stärksten zum Ausdruck.

Die Ausgangsfrage jeder Untersuchung ist also die nach der praktischen Funktion des Einzelbaus und seiner Bedeutung für das jeweilige Gesellschaftssystem. Daraus entstanden meine Studien zu den verschiedenen Bauten der Konzentrationslager, zu den Industrie- und den Kasernenbauten der NS-Zeit. Ebenso leiteten sich die Forschungsinteressen am Traditionalismus in der Dissertation zu den DDR-Kulturhäusern der fünfziger Jahre und im ergänzenden Buchbeitrag „Die Kultur auf´ s Land bringen“ aus dieser Frage nach der Repräsentativität der Objekte, nach dem Zusammenhang von Ideologie und Bauprogramm ab. Stets galt es, an den Gebäudeformen die historischen Besonderheiten ihrer Entstehungszeit mit der nötigen Trennschärfe herauszuarbeiten.

Dabei war immer eine größere Zahl von Baubeispielen in die Untersuchung einzubeziehen, schon um an den Formprinzipien die konstitutiven, d. h. geschichtlich neuen Gestaltungsmomente von den konditionalen, bloß bedingenden zu unterscheiden. Bei den Kulturhäusern, die unter dem Einfluss der NS-Architektur entstanden sind, wurde diese Notwendigkeit besonders deutlich. Auf ähnliche Art beginnt mein neues Buch „Nach der Moderne – die nationalsozialistische Architektur“ mit einem Aufsatz, der Objekte ganz unterschiedlicher Funktion aus allen Zeitabschnitten damaligen Bauens vorstellt. Ein solches induktives Vorgehen wird geradezu zwingend bei der Analyse der Typenbauten, die in der DDR für fast alle Bauaufgaben entwickelt wurden. Diese „Ostmoderne“ im Prozess ihrer Entstehung zu erfassen und sie historisch auf die Entwicklungsdynamik zu beziehen, die zum „Neuen Bauen“, zur Architekturmoderne führte, ist ein Ziel meiner Arbeit. Diese verstehe ich als die eines Historikers mit spezieller, aber umfassender Fragestellung: Jede Untersuchung soll die Spezifik der Architektur in ihrer konkreten Gestalt verstehbar machen und damit ein genaueres Bild der Entstehungszeit, ihrer Notwendigkeiten wie auch ihrer Ideale und Ideologien geben.